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Biskuitfiguren - Glanzzeit der klassischen Porzellanskulptur

1774 bis 1814 erlangte die Meissner Porzellanmanufaktur auch mit den sogenannten Biskuitfiguren eine Blütezeit. Die Herstellung figürlicher Plastik in Form von Miniaturen und Prunkfiguren, v.a. für den Dresdner Hof, war sehr umfangreich. Der Modelleur Johann Gottlieb Kirchner und Johann Joachim Kändler (1706-1775) wurden bekannt für ihre großen weißen Tierfiguren. Auch diese orientierten sich am kraftvoll-naturgeprägten Geschmack der Zeit. Als Leiter der plastischen Formgestaltung war Kändler 45 Jahre in der Manufaktur tätig.

Die Reformbewegung in Meißen - Freie Künstler und technische Neuerungen

(Quelle:Wikipedia.de)

Carl Wilhelm von Oppel (1767-1833) wurde 1814 Nachfolger Marcolinis und sorgte für die Modernisierung des Betriebs. Heinrich Gottlieb Kühn (1788-1870) führte den Rund- und Etagenofen ein, mit dem sich die Kapazität vervierfachte und erfand 1827 das "Glanzgold". 1848 wurde Kühn zum Direktor ernannt. Die aufblühende Dresdner Kunstakademie mit namhaften Neuerern, wie Gottfried Semper (1803-79), Ernst Rietschel (1804-61), Julius Schnorr von Carolsfeld (1794-1872) trugen zur Modernisierung der Formen und Dekore in der Meissner Manufaktur bei. Diese "Akademieporzellane" galten als begehrte, künstlerisch hochwertige Exemplare.

Eine künstlerische Rückentwicklung, aber wirtschaftliche Erholung brachte die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das aufblühende Bürgertum zierte sich gern mit Meißner Zier- und Geschirrporzellan im traditionellen Stil. Besonders beliebt war die Formensprache des Barock und des Rokoko.

(Quelle:Wikipedia.de)

Beliebtheit erlangte der "volle grüne Weinkranz", 1817 von Johann Samuel Arnhold (1766-1828) entworfen. Dieser bestand aus einem klassischen chromgrünen Unterglasurdekor. Der dichte dekorativ angeordnete grüne Kranz, ist bis heute in Produktion und steht symbolisch für den Sinn des Lebens. Wein steht für die Kraft des Geistes und der Kranz als Zeichen der Verehrung und Dauerhaftigkeit. Der Weinkranz, "gestreute Blümchen" und die "Meißener Rose" erreichten annähernd die Beliebtheit des Zwiebelmusters.

Die Technik des Pate zu Pate (Masse auf Masse), ursprünglich in China erfunden, kam über Sèvres, einem Vorort von Versailles, nach Meissen und wurde dort als Verfahren zur Porzellan- und Steingutverzierung übernommen. Die dickflüssige Porzellanmasse wird dabei Schicht für Schicht aufgetragen, schmilzt beim Brand und lässt den Untergrund durchschimmern. Teilweise durchscheinende Reliefs in Form von Figuren oder Ornamenten wurden in dieser Schlickenmalerei als kameenartiges Attribut auf Gefäßen und Platten aufgetragen.

Die meisterhafte Ausbildung dieser Technik demonstrierte die Manufaktur 1893 auf der Weltausstellung in Chicago. Höhepunkte waren auch die Goethe- und Dürer-Statuetten von Christian Daniel Rauch (1777-1857), einem der bedeutendsten Bildhauer des Klassizismus.

Erfolgreich waren auch Figuren- und Tierplastiken, wie die von Walter Schott (1861-1937) und Kleinplastiken als volkstümliche Gruppen des Rokoko wie z. B. von Jacob Ungerer (1840-1920).

Figurinen von Jacob Ungerer, 1902
(Quelle:Wikipedia.de)

Für den künstlerischen Fortschritt sorgte Max Adolf Pfeiffer (1857-1957) nach dem Ersten Weltkrieg. Pfeiffer war 1908 bis 1912 Direktor der Schwarzburger Werkstätten für Porzellankunst in Thüringen und Mitglied des Deutschen Werkbundes.

Das Programm des Deutschen Werkbundes galt als die Reformbewegung der Zeit. Es war die Suche nach einer neuen, durch "Zweck", "Material" und "Konstruktion" bedingten Formgebung (auch als "form follows function" bekannt), die man als "Sachlichkeit" bezeichnete. Während der Jahre 1925 bis 1934 markierte der zusätzliche Punkt in den gekreuzten Schwertern die sogenannte "Pfeiffer-Zeit".

Die bewegte Geschichte der Meissner Porzellanmanufaktur seit dem 2. Weltkrieg bis heute

1945, unter der Leitung von Herbert Neuhaus, wurde der Betrieb wieder aufgenommen. 1946 eröffnete die Manufaktur als sowjetische Aktiengesellschaft für "Zement". Am 1. Juli 1950 wurde wieder der die Porzellanherstellung aufgenommen, als "VEB Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen und war zu DDR.Zeiten der achtstärkste Devisenbringer.

1969 sorgte der Direktor Karl Petermann für technische Erneuerungen und vereinigte traditionelle und freie künstlerische Ausdrucksformen.

1960 wurde das "Kollektiv Künstlerische Entwicklung" von dem Modelleur Peter Strang gegründet. Das wohl berühmteste Mitglied dieses Kollektivs war Ludwig Zepner (1931-2010) als Dekormaler und Modelleur. Zepner spezialisierte sich auf das sog. Bossieren. Dabei werden Figuren aus mehreren vorgeformten Einzelteilen zusammengesetzt. Zepner gilt außerdem als Erfinder stimmbarer Orgelpfeifen aus Porzellan.

Als freischaffende Künstler arbeiteten im Kollektiv auch der Maler Heinz Werner, der Blumen- und Fruchtmaler Volkmar Bretschneider und Rudi Stolle (1919-1996)

Nach der Wende wurde das Unternehmen 1991 zur Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH (Gesellschafter ist der Freistaat Sachsen).

Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten musste die Abteilung "Künstlerische Entwicklung" schließen.

Seit 2012 hat sich die Manufaktur auf Luxus- und Lifestyle-Produkte spezialisiert, die sich durch Stil und Qualität auszeichnen.